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Cannabis: eine Bestandsaufnahme

Ein Joint am Abend zum Abschalten, dann zwei, dann beginnt der Tag damit. Dieser Leitfaden hilft, ohne Verurteilung Bilanz zu ziehen: was Cannabis wirklich bewirkt, woran man erkennt, dass der Konsum zum Problem geworden ist, wie man zwischen Reduzieren und Aufhören wählt, wie ein Entzug aussieht und wie man das Verlangen übersteht, ohne rückfällig zu werden.


Dr. Zayan Al-Falasi, Facharzt für Psychiatrie

Kurz gefasst

Dieser Leitfaden richtet sich an Erwachsene, die sich Fragen zu ihrem Cannabiskonsum stellen: an jene, die nur klarer sehen wollen, an jene, die reduzieren möchten, und an jene, die sich zum Aufhören entschlossen haben. Er stellt dar, was die Forschung gesichert hat — Abhängigkeit, Schlaf, Angst, Gedächtnis, psychotisches Risiko — ohne zu dramatisieren oder zu verharmlosen. Danach folgt ein konkretes Vorgehen: messen, Für und Wider abwägen, ein Ziel wählen, den Ausstieg vorbereiten, Entzug und Verlangen durchstehen und wissen, was bei einem Ausrutscher zu tun ist.

Thema
Sucht
Für wen
Für sich selbst
Sprachen
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Das Programm

Dieser Leitfaden ist ein psychoedukativer Inhalt. Er ersetzt keine Beratung oder Behandlung. Wenn Sie Stimmen hören, sich beobachtet oder verfolgt fühlen, oder wenn Ihre Angehörigen Ihre Äußerungen seltsam finden, suchen Sie rasch ärztliche Hilfe: siehe Abschnitt 16. Bei wiederholtem Erbrechen, das anhält, lassen Sie sich untersuchen; es kann eine Wirkung des Cannabis selbst sein. Wenn Sie daran denken zu sterben, rufen Sie noch am selben Tag Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an oder, bei unmittelbarer Gefahr, den Notruf. Rechnen Sie mit dreißig Minuten Lesezeit.

Der Hinweis am Anfang der Ressourcen ist ausgeblendet.

1. Bevor Sie beginnen

Vielleicht rauchen Sie abends, zum Entspannen oder zum Einschlafen. Oder gleich nach dem Aufwachen, ohne darüber nachzudenken. Vielleicht beunruhigt Sie nichts, aber jemand hat eine Bemerkung gemacht. Vielleicht haben Sie versucht aufzuhören, und der Schlaf hat Sie zurückgeholt.

Drei Dinge, gleich zu Beginn.

Bilanz zu ziehen verpflichtet zu nichts. Man kann diesen Leitfaden lesen, ohne sich zum Aufhören entschlossen zu haben. Den eigenen Konsum zu verstehen, ist bereits eine Veränderung.

Cannabis ist weder harmlos noch teuflisch. Viele Menschen konsumieren ohne sichtbare Folgen; ein Teil entwickelt eine Abhängigkeit, und bestimmte Wirkungen sind gut belegt, besonders bei Menschen, die früh anfangen, und bei täglichem Konsum.

Aufhören fällt leichter, wenn man weiß, was kommt. Der Entzug existiert, er ist unangenehm, er ist kurz. Das Verlangen dauert Minuten. Dieser Leitfaden beschreibt beides.

2. Was Cannabis bewirkt

Der Hauptwirkstoff

Der wichtigste Wirkstoff in Cannabis ist THC. Er wirkt auf ein System, das im ganzen Gehirn vorhanden ist und an der Regulation von Appetit, Stimmung, Schlaf, Gedächtnis und Schmerz beteiligt ist. Deshalb betreffen seine Wirkungen so viele Bereiche zugleich.

Die unmittelbaren Wirkungen

  • Entspannung, Euphorie, veränderte Wahrnehmung.
  • Hunger.
  • Verlangsamte Reaktionen und Koordination.
  • Schwierigkeiten, sich zu merken, was unter dem Einfluss der Substanz geschieht.
  • Manchmal das Gegenteil des Gesuchten: Angst, rasendes Herz, das Gefühl, von anderen beurteilt zu werden, seltener Verfolgungsideen.

Was sich in dreißig Jahren geändert hat

Analysen sichergestellter Produkte in mehreren Ländern zeigen, dass der durchschnittliche THC-Gehalt über die Jahrzehnte deutlich gestiegen ist, bei Blüten wie bei Harz. Ein Joint von heute ist kein Joint der neunziger Jahre. Wer jung konsumiert hat und mit vierzig wieder anfängt, konsumiert nicht dasselbe Produkt.

Toleranz

Bei regelmäßigem Konsum passt sich der Körper an: Es braucht mehr für dieselbe Wirkung, und die gesuchte Wirkung — Entspannung — weicht allmählich der bloßen Rückkehr zum Normalzustand. Viele tägliche Konsumenten rauchen nicht mehr, um sich besser zu fühlen, sondern um sich nicht schlechter zu fühlen.


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Was der weitere Teil enthält

  • 3. Wo steht mein Konsum?
  • 4. Was die Forschung sagt
  • 5. Warum Aufhören schwerfällt
  • 6. Messen, bevor man entscheidet
  • 7. Für und Wider abwägen
  • 8. Reduzieren oder aufhören?
  • 9. Den Ausstieg vorbereiten
  • 10. Der Entzug: was zu erwarten ist
  • 11. Das Verlangen: die Welle durchstehen
  • 12. Schlafen ohne Cannabis
  • 13. Riskante Situationen und was man sagt
  • 14. Ausrutscher und Rückfälle
  • 15. Wenn Sie sich fürs Reduzieren entscheiden
  • 16. Wenn Cannabis etwas anderes verdeckt
  • 17. Wann man Hilfe sucht, und worum man bittet
  • 18. Häufige Fragen
  • 19. Zum Mitnehmen
  • 20. Quellen und Grundlagen

Häufige Fragen

Wie lange ist Cannabis nachweisbar? Viel länger als seine Wirkung. Bei täglichem Konsum können Urintests noch mehrere Wochen nach dem Aufhören positiv sein, was nicht bedeutet, dass man noch unter Wirkung steht.

Macht Cannabis wirklich abhängig? Ja, bei einem Teil der Konsumenten: etwa einer von zehn, und mehr bei denen, die jung angefangen haben oder täglich konsumieren. Abhängigkeit erkennt man am Kontrollverlust und am Entzug, nicht an der Menge.

Ich rauche nur abends, ist das schlimm? „Schlimm“ ist nicht die richtige Frage. Schauen Sie eher, ob die Menge steigt, ob Sie eine Woche darauf verzichten könnten und was es Sie kostet. Täglicher Konsum, auch nur abends, erhöht das Risiko einer Abhängigkeit.

Kann CBD mir beim Aufhören helfen? CBD ist ein anderer Wirkstoff aus Cannabis, der nicht „high“ macht. Die verfügbaren Daten erlauben es nicht, es als Behandlung der Abhängigkeit zu empfehlen. Bewährt haben sich psychologische Ansätze und Begleitung.

Werde ich psychotisch? Für die große Mehrheit der Konsumenten nicht. Das Risiko steigt mit Häufigkeit, Wirkstoffgehalt, frühem Beginn und vor allem familiärer Vorbelastung. Wenn diese Faktoren auf Sie zutreffen, ist Aufhören die klügste Entscheidung.

Ich erbreche mich seit Monaten immer wieder, hängt das zusammen? Möglich. Lang anhaltende Erbrechensanfälle, die durch sehr heiße Duschen gelindert werden, sind ein bekanntes Syndrom bei regelmäßigen Konsumenten, manchmal schon nach weniger als einem Jahr Konsum. Lassen Sie sich untersuchen und erwähnen Sie das Cannabis: Ohne diese Information wird die Diagnose oft verfehlt.

Mein Kind in der Pubertät konsumiert. Was tun? Sprechen Sie mit ihm, ohne zu dramatisieren oder zu verharmlosen, interessieren Sie sich dafür, was die Substanz ihm gibt, und schlagen Sie eine Beratungsstelle für junge Konsumenten vor. Früher und täglicher Konsum ist am riskantesten. Sie können sich auch allein beraten lassen.

Auf einmal aufhören oder schrittweise? Bei bestehender Abhängigkeit führt ein vollständiger Stopp zu einem festen Datum meist zu besseren Ergebnissen, weil jeder Konsum das Verlangen neu entfacht. Schrittweise Reduktion passt besser zu gelegentlichem Konsum oder als bewusst gewählter erster Schritt.

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